FSME-Impfquote nicht so hoch, wie sie scheint
Wien, 9. Juni 2026 Ein Großteil der Österreicher:innen befindet sich nicht im empfohlenen FSME*-Impfschema. Tendenz sinkend. Insbesondere Menschen in Vorarlberg und Tirol sind verhältnismäßig seltener geimpft als Personen in anderen Bundesländern, aber auch zwischen den Altersgruppen gibt es Unterschiede: Die mittlere Alterskohorte ist nach derzeitigem Stand am besten geschützt, die der Kinder und Jugendlichen am schlechtesten. Parallel dazu steigt die Anzahl der mit FSME hospitalisierten Personen seit einigen Jahren an. Gründe dafür könnten sowohl die gesunkene Durchimpfungsrate als auch ein gestiegenes Infektionsrisiko sein. Klar ist: Wer sich impfen lässt, ist in jedem Fall auf der sicheren Seite.
Ein Drittel der Vorarlberger:innen nicht gegen FSME geimpft
35 % der Vorarlberger:innen und 28 % der Tiroler:innen sind laut einer unlängst publizierten Umfrage von Ipsos nicht gegen FSME* geimpft.[1] „Das könnte historische Gründe haben“, vermutet Priv.-Doz. Dr. Rainer Gattringer, Leiter des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Lange sind diese Bundesländer von FSME verhältnismäßig wenig betroffen gewesen. Das stimmt seit einigen Jahren nicht mehr, scheint sich aber noch nicht in der Impfquote niedergeschlagen zu haben.“ Im bekannten FSME-Hotspot Oberösterreich haben 20 % der Bevölkerung keinen Impfschutz gegen die von Zecken übertragene Infektionskrankheit.[1]
Hohes Infektionsrisiko in Oberösterreich nachgewiesen
Dass das tatsächlich häufig eine Infektion zur Folge hat, beweist eine aktuelle Studie, in der mehr als 2.000 Blutproben aus Oberösterreich untersucht wurden. Es zeigte sich, dass 12 % der Blutproben ungeimpfter Personen Anzeichen einer vorangegangenen Infektion aufwiesen, achtmal so viel wie in der oberösterreichischen Gesamtbevölkerung.[2] „Nur die Spitze des Eisberges – also ein sehr geringer Prozentsatz der Infizierten – muss tatsächlich im Spital behandelt werden“, erklärt Gattringer. „Viele der Infizierten haben vermutlich Symptome einer Sommergrippe gehabt. Diese anfänglichen Symptome klingen zwar relativ rasch wieder ab, können aber länger andauernde Folgeerscheinungen hinterlassen z. B. chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder Reizbarkeit, deren Grund für die Betroffenen oft nicht ersichtlich ist.“ Diese wären durch eine Impfung fast immer vermeidbar gewesen.
Etwa die Hälfte der Österreicher:innen ist nur teilweise geschützt
„Wirklich gut geschützt ist man dann, wenn die Grundimmunisierung absolviert ist und alle fünf beziehungsweise ab 60 alle drei Jahre eine Auffrischung gemacht wird“, erläutert der Infektiologe. Laut Umfrage trifft das auf einen Großteil der Österreicher:innen nicht zu. Von den Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre ist ein Viertel überhaupt nicht geimpft und etwa die Hälfte nicht im richtigen Impfschema. Bei den Personen über 60 sind 30 % im korrekten Schema, 23 % überhaupt nicht geimpft und der Rest unvollständig.1 „Auch wenn Österreich im internationalen Vergleich bei der FSME-Impfung gut abschneidet, gibt es – gerade im Hinblick auf die seit 2018 wieder steigenden Hospitalisierungszahlen – viel Luft nach oben“, so Gattringer.
Schwere Folgeschäden möglich
Aus Studien weiß man, dass Menschen ab 50, noch häufiger ab 60 Jahren, überdurchschnittlich oft schwer erkranken[3]– mit Krankheitsbildern wie Gehirnhautentzündung, Hirnentzündung oder Rückenmarksentzündung. Etwa ein Drittel der Patient:innen zeigt nach durchgemachter Erkrankung langandauernde Folgeschäden.[4] Gattringer hat viele solcher Patient:innen behandelt und wird nicht müde zu betonen: „Auch im Krankenhaus können wir die Betroffenen nur symptomatisch therapieren, es existiert kein spezifisches Medikament, das wir einsetzen könnten. Es gibt einfach keine Alternative zur vorbeugenden Impfung. Je älter man ist, umso wichtiger ist die regelmäßige Auffrischung, da die Antikörper rascher absinken als bei jungen Menschen.“
Hotspots verändern sich
Hotspots zu meiden, sei definitiv keine mögliche Schutzvariante, da sich diese immer wieder verändern würden, ergänzt der Mediziner. Zudem spiele das Freizeitverhalten eine Rolle. Im Österreichischen Impfplan wird daher nicht umsonst das ganze Land als Endemiegebiet definiert.4 Gattringer betont: „Wir starten gerade so richtig in die Zeckenzeit hinein. Spätestens jetzt ist es also Zeit für einen Impfpasscheck.“
Rückfragehinweis
Für den Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller
FINE FACTS Health Communication GmbH
Mag.a Uta Müller-Carstanjen
E: mueller-carstanjen@finefacts.at
M: +436645153040
* Frühsommer-Meningoenzephalitis
Impfempfehlungen sind im Österreichischen Impfplan nachzulesen, Impfberatung bieten Ärzt:innen und Apotheker:innen im österreichischen Gesundheitswesen.
[1] Online self-completion survey conducted in Austria by Ipsos (Germany), data on file.
[2] Dobler G., et al., Infection and Vaccination-Induced Tick-Borne Encephalitis Virus IgG Antibody Prevalence in the Austrian Federal State of Upper Austria, a High-Risk Region for TBEV. Epidemiologia. 2026; 7:35.
[3] Kaiser, R. Tick-borne encephalitis: Clinical findings and prognosis in adults. Wien Med Wochenschr 162, 239–243 (2012). https://doi.org/10.1007/s10354-012-0105-0
[4] BMASGPK, Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.0 vom 1. Oktober 2025.



