Aufnahme der RSV-Impfung ins Erwachsenenimpfprogramm notwendig
Wien, 18. Februar 2026 Das Erwachsenenimpfprogramm der öffentlichen Hand muss weiter ausgebaut werden. Darüber sind sich Mediziner:innen und Vertreter:innen von Senior:innen- und Selbsthilfegruppen einig. Die seit November kostenfreien Impfungen gegen Gürtelrose und Pneumokokken wurden von der Bevölkerung überaus gut angenommen. Damit ist klar, dass die Nachfrage nach mehr Impfschutz vor weiteren respiratorischen Erkrankungen bei älteren Menschen und vulnerablen Bevölkerungsgruppen groß ist. Medizinisch, aber auch ökonomisch ist es sinnvoll, noch mehr als bisher in Impfprävention zu investieren. Expert:innen sprechen sich daher dafür aus, die RSV-Impfung als nächste wichtige aktive Immunisierung ins Erwachsenenimpfprogramm aufzunehmen.
Anzahl der Senior:innen steigt
Bereits jetzt liegt der Anteil der über 65-jährigen Personen in Österreich bei etwa 20 %. Bis 2040 werden mehr als ein Viertel aller Einwohner:innen dieses Alter überschritten haben. Mit zunehmendem Alter steigt aber auch das Risiko für Erkrankungen an. Chronische Erkrankungen nehmen zu, ebenso die Infektanfälligkeit und das Risiko eines schweren Verlaufs nach einer Ansteckung. Gegen einige Infektionskrankheiten, insbesondere jene, die den respiratorischen Trakt betreffen, gibt es wirksame Impfstoffe. Um einen breiten Schutz bei der älteren Bevölkerung aufbauen zu können, braucht es die Integration dieser Impfungen in ein Impfkonzept.
Impfen als eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen
Dafür spricht sich die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Ingrid Korosec, ganz klar aus. „Impfen ist eine wichtige Präventionsmaßnahme, die uns länger gesund bleiben lässt. Österreich hinkt der EU hinsichtlich der gesunden Lebensjahre ohnehin hinterher. Wir werden im Durchschnitt um etwa zwei Jahre früher krank. Impfungen können viel dazu beitragen, das zu verbessern. Immerhin wollen wir ja auch „gesund“ altern und eine hohe Lebensqualität haben. Da viele Menschen über 60 Jahre noch im Arbeitsprozess stehen, ist es wichtig zu betonen, dass Impfungen helfen, Menschen länger im Arbeitsprozess zu halten, Krankenstandstage zu reduzieren und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.“
Beträchtliche Krankheitslast durch RSV
Zur generellen Krankheitslast der älteren Bevölkerung trägt auch RSV bei. Je mehr Daten zu dieser Infektionserkrankung publiziert werden, desto eindeutiger zeigen die Ergebnisse, dass es nicht nur kurzfristig zu schweren Erkrankungen kommen kann, sondern genauso langfristig. „Schätzungen gehen davon aus, dass es in Österreich jedes Jahr etwa 3.000 Krankenhausaufenthalte aufgrund von RSV gibt und rund 250 bis 500 Todesopfer“, berichtet Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf.
Doch das sei noch nicht alles. „Die Langzeitfolgen hinsichtlich Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen etc. sind statistisch gar nicht erfasst und werden meist nicht mit RSV in Zusammenhang gebracht. Dennoch gibt es sie, insbesondere bei Personen mit chronischen Grunderkrankungen“, erläutert der Pneumologe. „Aus Studiendaten wissen wir, dass RSV indirekt 10 % aller kardiovaskulären Hospitalisierungen verursacht, ebenso wie 10 % aller Hospitalisierungen aufgrund von COPD. Die Komplikationsrate bei RSV ist teilweise sogar höher als bei Influenza“. Je mehr Menschen höheren Alters geimpft wären, desto weniger negative Krankheitsfolgen wären zu erwarten.
Aufnahme ins Erwachsenenimpfkonzept sinnvoll
Aus all diesen Daten ergibt sich also, dass die Bevölkerung neben der Influenza-, Pneumokokken- und Gürtelrose-Impfungen auch von einer kostenfreien RSV-Erwachsenenimpfung für ältere Menschen profitieren würde. Die Krankheitslast für die Betroffenen und die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft könnten reduziert werden.
Niederschwelligkeit erhöht die Durchimpfungsrate
Angelika Widhalm, Vorsitzende des Bundesverbands Selbsthilfe Österreich, wünscht sich zusätzlich, dass die RSV-Impfung im Rahmen des Impfkonzepts zukünftig auch für jüngere Erwachsene mit bestehenden Grunderkrankungen zur Verfügung steht. Das sind zum Beispiel immunsupprimierte Personen, Patienten:innen mit Asthma, COPD oder Diabetes. Diese Risikogruppen brauchen auch einen niederschwelligen Zugang zur Impfung. „Prävention ist in jedem Alter wichtig, insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen. In Spitalsambulanzen wird zwar oft über Impfungen aufgeklärt, aber nicht direkt geimpft, wie das noch während der Corona-Zeit möglich war. Die Impfungen müssen aber zu den Menschen gebracht werden, nicht umgekehrt. Je kürzer der Weg, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand auch tatsächlich immunisieren lässt. Daher wäre es wichtig, dass dort, wo diese Patient:innen ihre regelmäßigen Untersuchungstermine oder Beratungstermine haben, auch die Impfaufklärung und die Impfmöglichkeit besteht.“
Impfen heißt Verantwortung tragen. Für den Einzelnen und die Gesellschaft.
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Rückfragehinweis
Für den Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller
Mag.a rer.nat Renée Gallo-Daniel
E-Mail: buero@oevih.at
Website: www.oevih.at



